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Jan Seekamp: Ein Amateur-Segler unter Profis – und immer vorne

Ursula Niemann, Wassersport-Verein Hemelingen e.V.30 Jahre unter Segel, vom Opti bis in die „Königsklasse“ und immer auf den ersten Plätzen – eine richtige Erfolgsstory. Jan Seekamp, der Segler aus dem Wassersport-Verein Hemelingen (WVH) in Bremen.

WVH: Jan, in diesem Jahr segeltest Du zum zweiten Mal den Grand Prix der Drachenboote in Kiel mit. Neben berühmten Gästen wie Königin Silvia von Schweden waren die Boote der Regatta-Teams mit ebenso bekannten Seglern besetzt. Ein starkes Feld, und trotzdem war diese Regatta auch für Dich ein voller Erfolg.

Jan Seekamp (JS): Neben dem Eigner Gerd Köpcke segelte Björn Schütte als Vorschoter mit. Zusammen mit Björn habe ich schon viele erfolgreiche Regatten gesegelt. Beim Grand Prix in Kiel konnten wir den 4. Platz belegen.

WVH: Der Grand Prix war dieses Jahr gleichzeitig die Deutsche Meisterschaft der Drachenboote. Unter Seglern wird die Drachenklasse auch als die „Königsklasse“ bezeichnet. Was bedeutet das?

JS:
Die Drachenboote wurden seit jeher auch von Segelsportbegeisterten Königen gesegelt.

WVH: 2009 Platz 4 in Kiel. Beschreibe doch bitte kurz diese Regatta.


JS: Das Feld bestand aus 67 Teams. Insgesamt wurden sechs Wettfahrten mit einem möglichen Streicher gesegelt. Nach dem vierten Lauf lagen wir sogar noch an erster Stelle.

WVH: Das ist ja ein tolles Ergebnis, wenn man bedenkt, dass viele weitere Teams aus Profiseglern bestanden. Markus Wieser aus Bayern ist zwar ein Deutscher Segler, segelt jedoch unter Ukrainischer Flagge. War euer Team das beste Deutsche Team?

JS: Ja, so kann man das sehen. Die ersten drei Plätze wurden von Profiseglern belegt, die den größten Teil des Jahres trainieren und unter Ukrainischer Flagge segeln. Die sind natürlich bestens ausgestattet.

WVH: Der Drachen gehört zu den Traditionsschiffen. Wie segelt sich so ein Schiff?

JS: Der Drachen ist ein eher langsames Boot. Hier geht es mehr um taktisches Segeln.

WVH: Das Gegenteil vom Grand Prix der Drachenboote scheint mir der BMW Sailing Cup zu sein, an dem Du auch in diesem Jahr teilnimmst. 2008 konntest Du dort schon den ersten Platz belegen.

JS: Ja, das ist etwas anderes. Dort segeln wir eine J80. Die Schiffe werden von BMW zur Verfügung gestellt und die Teams werden ausgelost.

WVH: Jan, das musst Du ein wenig genauer erläutern.

JS: Ein Team besteht aus 4 Personen und wird aus den Bewerbern ausgelost, d.h. es können Regattasegler sein, Freizeitsegler oder Anfänger. Jeder kann mitmachen. Hauptsache, man besitzt einen Segelschein. In Leer waren wir auf einem Binnenrevier, noch kleiner als unser Revier hier im Wassersport-Verein Hemelingen, und man musste taktisch geschickt segeln. Das Feld hatte 15 Teams. Es wurden Gruppen zu 5 Booten gebildet, die dann gegeneinander segelten. Das einmal gewählte Team bleibt solange zusammen, bis das Finale in Deutschland ausgesegelt wird. 2008 gewannen wir das Deutschland-Finale und konnten im Weltfinale den 5. Platz belegen.

WVH: Jan, das ist ja mehr als klasse. Mit einem bunt gemischten Team am Weltfinale teilzunehmen und dann auch noch den 5. Platz zu belegen. Was reizt dich, dass du auch 2009 teilnimmst?

JS: Regatten zu segeln ist das, was mir Spaß macht.

WVH: Jan, heute segelst Du häufiger vorne auf den ersten Plätzen, aber irgendwann einmal fing alles an. In diesem Jahr bist du 37 Jahre alt geworden und mit 7 Jahren hast Du bereits Optimist gesegelt. Wir waren Deine ersten Jahre?

JS: Selbstverständlich habe ich im Opti begonnen. Wir haben hier auf unserem heimischen Revier der Mittelweser im Wassersport-Verein Hemelingen trainiert. Ich habe bis zum 15. Lebensjahr, also dem letztmöglichen Jahr, Opti gesegelt. Heute wird häufig früher gewechselt. Ich bin aber der Meinung, dass es sehr gut für die jungen Segler ist, den Opti so lange wie möglich zu segeln.

WVH: Wie ging es mit 15 Jahren weiter?

JS: Zunächst habe ich in den Nachwuchsklassen weiter gemacht. Ich segelte 420er, danach wechselte ich mit 17 Jahren in den 470er. Anschließend folgte für eine lange Zeit die Olympische Laserklasse. Als ich 26 Jahre alt war, bin ich mit Björn Schütte zusammen in den Piraten gewechselt, da in dieser Klasse der Trainingsaufwand zum Erreichen vorderer Plätze deutlich geringer ist.

WVH: Was genau heißt geringerer Trainingsaufwand?

JS: Während man in der olympischen Laserklasse gegen sehr viele junge Segler mit professionellem Hintergrund antritt, tritt man im Piraten zwar ebenfalls gegen sehr gute Segler an, die jedoch der Mehrzahl nach durch Ihre Erfahrung gute Resultate ersegeln.

WVH: Jan, Du sagst, Du hast auch Laser gesegelt und das sehr lange. Wie war die Zeit?


JS: Im Laser hatte ich die meisten Erfolge. Der Laser ist ein sehr anstrengendes Boot und sehr trainingsintensiv. Es bedarf viel Körperarbeit, das filigrane Boot benötigt viel Gefühl für Wind und Wasser. Der Laser gehört zu den Olympischen Klassen, er wird überall gesegelt und ist preiswert, deshalb sind die Regatta-Felder mit die größten in der Regattaszene.

WVH: Was bedeutet das?

JS:. Bei den Olympischen Austragungen und allen Regatten trifft man auf Segler aus vielen Ländern, auch aus kleinen Regionen wie z.B. der Karibik. Dadurch besteht ein Teilnehmerfeld aus über 100 durchaus fähigen Seglern vom Profi bis zum Amateur.

WVH: Hunderte von Booten? Da bedarf es viel, um einen der ersten Plätze zu ergattern oder?

JS: Meinen größten Erfolg erzielte ich 1996 auf der Kieler Woche. Dort konnte ich in einem Feld von weit über 100 Booten den 15. Platz belegen.

WVH: Alle Achtung, das ist wirklich ein toller Platz. Immerhin gehörtest Du keinem Kader an. Wie war das so, neben Schule und Studium? Konntest Du das alles bewältigen?

JS: Ja, das war natürlich nicht immer einfach. Schließlich gingen die Schule und das Studium vor. Der Laser, da er ein Einhand-Boot ist, bot sich während dieser Zeit an. So mussten keine Abstimmungen mit einem Vorschoter erfolgen. Allerdings habe ich während dieser Zeit eher sporadisch gesegelt.

WVH: Im Kader, also dort, wo Schule und Training zusammenlaufen, wäre es einfacher gewesen?

JS: Ich habe mehrfach an Auswahltrainings teilgenommen. Dort schlägt der Bundestrainer die Segler für den Bundeskader vor. Letztendlich entscheidet aber ein Gremium über die Aufnahme in den Kader. Damals wurden zwei andere Teilnehmer ausgewählt, trotz der Entscheidung des Bundestrainers für mich. Ich war sehr enttäuscht.

WVH: So wie Du segelst, heute noch auf den ersten Plätzen, wärst Du sicher ein guter Profi geworden. Wie sieht das mit den Segelpartnern aus? Wann ist man ein eingespieltes Team?

JS: Es ist schon wichtig, ein beständiges Team zu bilden. Wechselnde Partner machen ein Gewinnen bei Wettfahrten schwieriger. Mit Björn Schütte als Vorschoter segle ich schon seit 10 Jahren zusammen. Wir sind ein eingespieltes Team. Meine Lebenspartnerin Nina Hicking habe ich auch über das Segeln kennen gelernt. Nina hat wie ich Pirat gesegelt und wir bildeten häufig ein Team.

WVH: Jan, noch ein paar allgemeine Fragen. Du hast Jollen gesegelt, segelst jetzt J80 und Drachen. Interessierst Du Dich auch für Hochseesegeln?

JS: Nein, würde ich im ersten Moment sagen, aber das kann damit zu tun haben, dass ich Sorge hätte, seekrank zu werden.

WVH: Welche Arten von Regatten segelst Du am liebsten?

JS: Mir gefallen am besten die Einheitsklassen. Dort ist ganz klar: Wer im Ziel vorne ist, hat gewonnen. Bei Regatten nach Berechnungsformeln segelt man vielleicht als
erster durchs Ziel, aber auf der Ergebnisliste ist man letzter.

WVH: Bist Du immer am Steuer?

JS: Ja, wenn möglich, immer.

WVH: Jan, was steht für die Zukunft an?


JS: Zunächst einmal ist jetzt die Familie wichtig. Nina und ich freuen uns über unseren Nachwuchs. Das wird sicherlich eine aufregende Zeit.

WVH: Oh, das ist ja klasse, herzlichen Glückwunsch.
Noch ganz kurz zum Schluss: Hast Du eine bleibende Erinnerung an den jungen Segler im Optimisten? Und was wäre heute ein großer Wunsch bezogen auf das Segeln?


JS: Ja, da habe ich eine Erinnerung: Ich segle immer im Kreis im Hafenbecken. Mein Vater steht am Ufer und ruft: „Jan, entscheide dich! Raus zum Segeln oder rein nach Hause.“ Mir war das alles noch nicht geheuer. Ich bin dann raus. Der Segellehrer merkte gleich, dass etwas nicht in Ordnung war. Hajo, ein älterer Segelkamerad, brachte mich zurück. An der Hafeneinfahrt frage er: „Jan, willst Du eine Halse oder ein Kuhwende segeln?“ Ich wollte unbedingt eine Kuhwende segeln, das ist nicht so gefährlich.
Nun zu meiner Traumvorstellung: Ich sitze hier an meinem Arbeitsplatz. Ein Hubschrauber landet, ich steige mit meinen Segelsachen ein und der Hubschrauber fliegt mich zur Regatta. Punktgenau 5 Minuten vor dem Start werde ich auf dem Boot abgesetzt. Ich segle die Regatta und gleich nach dem Ende der Wettfahrten bringt mich der Hubschrauber zurück.

WVH: Jan, wir danken für das Gespräch.

Autorisiertes Interview mit Jan Seekamp, 12.10.2009

Kurzportrait Jan Seekamp mit Segelklassen und  Erfolgen

Jan Seekamp , geboren 07.07.1972
Abitur 1992
Seit 2004 als Dipl Maschinenbauer im elterlichen Betrieb in Bremen
Seit 1974 im Wassersport-Verein Hemelingen aktiver Segler

Klassen    Erfolge
Optimisten    1986 und 1987  Teilnahme an der Weltmeisterschaft

420er    1988 und 1989 Teilnahme an Europameisterschaft

470er    -

Laser    1995, 1996, 1997 und 1998 Teilnahme an der Europameisterschaft
1996 - 15. Platz bei der Kieler Woche

Pirat    Deutscher Meister
Deutscher Vizemeister
2. Platz Kieler Woche

Drachen    4. Platz Grand Prix 2009

J80    BMW Sailing Cup
2008 qualifiziert für das Weltfinale
2008 1. Platz Deutschland Finale



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